„Saxofonia“ brilliert in der Stadtkirche durch Vielfalt und instrumentale Klasse

(dm) Bei verschiedensten Anlässen hat er sie gehört und gesehen, der „Konzertpfarrer“ Gerhard Däublin der evangelischen Stadtkirche in Weinheim. Die vier Musiker von Saxofonia. Und er hat sie gleich um ein Konzert in seiner Kirche gebeten . Mit einer vorbarocken Fanfare, wie es sich gehört, aus der Höhe geblasen, begrüßten die vier Saxophonisten mit einem Stück von Michael Prätorius (1571- 1621) die zahlreichen interessierten Zuhörer von der Empore.
Danach, wieder in den Niederungen des Kirchenraumes angekommen, ging es etwas weniger sakral, jedoch erheblich humorvoller weiter. Denn Ralf Brinkmann (Sopran- und Altsax), Christoph Krzeslack (Altsax), Norbert Zimmermann (Tenorsax) und Jochen Woithe (Basssax) begreifen ihr Konzertieren nicht bierernst.
Mit humorvollen rhetorischen Bonmonts führte denn auch Jochen Woithe durch das doch anspruchsvolle Programm. Das Saxophon, nach seinem Erfinder Sax genannt, ist gerade mal 150 Jahre alt und „wurde erfunden, um Krach zu manchen, vor allem in der französischen Militärmusik“ so Woithe schmunzelnd. Vor allem eben dort eingesetzt und später zum typischen Jazzinstrument geworden, ist das Saxophon, mit seinem schnarrigen Mixton aus Klarinette und Horn, prädestiniert für die U-Musik. Dass es aber auch einen höchst erfreulichen Sound bei der Bewältigung von klassischer Literatur hervorbringen kann, bewiesen die vier Bläser beispielsweise mit eben jener Eingangsfanfare oder mit dem Präludium und Fuge aus dem wohl temperierten Klavier von J.S. Bach.
Völlig egal, welcher der vier zum Solo nach vorne geschickt wurde, er erledigte seine Kadenz, seine Improvisation auf höchstem Niveau. Kein Ansatz für eine Kritik am Spiel der vier ergab sich über die Dauer des ganzen Konzertes. Vielleicht die, das Repertoire noch um ein paar klassische Stücke zu erweitern. Denn den gewohnten Sound des Sax demonstrierten die vier bei ihren Ausflügen in den Jazz, aus dem alle vier wohl kommen. Jedoch dieses ungewöhnliche Hörerlebnis, wenn Kompositionen aus einer Zeit gespielt werden, in der es dieses Instrument überhaupt noch nicht gab, das hatte seinen ganz besonderen Reiz. Bach hätte sich gefreut, seine Kompositionen von diesem Quartett zu hören.
Allesamt sind die Stücke der Gruppe selbst arrangiert, wenn wohl auch die Hauptlast der Arrangements auf dem früheren Mitspieler und jetzt nur noch Arrangeur Achim von Jena zu liegen scheint. Egal ob die vier Musiker den Jazz-Klassiker „Hard times“ spielten, oder die avantgardistisch anmutende Komposition einer Zufallsbegegnung aus Südfrankreich, immer interpretieren sie höchst spielsicher, engagiert emphatisch und vor allem mit ungeheuerem Spielwitz.
Manchmal schienen die Zungenpfeifen einer Orgel zu ertönen, wenn die vier Holzbläser auf ihren Blechinstrumenten bliesen. Ein anderes Mal wollte der kompakte Sound der Saxkunst den Zuhörer nachgerade vom Sitz heben. Ein wunderschönes, ein kurzweiliges Konzert, und man muss den „Konzertpfarrer“ beglückwünschen für sein Händchen, das musikalische Bonbons zu verteilen weiß.

Brillant im Solo, eingespielt im Ensemble: So präsentierten sich die „Saxofonia“-Mitglieder Ralf Brinkmann (Sopran- und Altsax), Christoph Krzeslack, (Altsax), Norbert Zimmermann (Tenorsax) und Jochen Woithe (Basssax) beim Konzert in der Stadtkirche.
Bild: Borgenheimer