Musikalisches Können mit einem Augenzwinkern dargeboten: Saxofonia im Weingut Winkels-Herding. Foto: Franck

Ein traumhafter Sonntagmorgen unter einer Blutbuche im Garten des 300 Jahre alten Weinguts Winkel-Herding in Dackenheim. Familie Friedrich hat zur Serenade im Park geladen, zum Quartett „Saxofonia“ (laut Prospekt „zu 50 Prozent aus der der Pfalz, zu 25 Prozent aus der Kurpfalz und zu 25 Prozent aus Südhessen“). Außer vier Saxophonspielern gibt es nichts, keine Elektronik, kein Klavier, kein Schlagzeug, pure Bläser unplugged, mit Stücken von der Renaissance über Barock bis Gegenwart.
Das vom Belgier Adolphe Sax erfundene Instrument existierte zunächst nur als Bariton, erst mit dem Aufkommen des Jazz konnte es sich durchsetzen; der Franzose Henri Selmer übernahm in den zwanziger Jahren die Fabrik des Belgiers und baut bis heute Saxophone.
Mit viel Humor kommentiert Jochen Woithe am Bariton- und Bass-Saxophon die Stücke, Norbert Zimmermann aus Deidesheim (Tenor) ist seit sechs Wochen dabei, und Christoph Krzeslack (sprich „Jazzlack“) aus Speyer spielt ein „sehr altes Altsaxophon“, während Ralf Brinkmann ein Alt spielt, mitunter aber zum schwer zu intonierenden gebogenen Sopransaxophon wechselt.
Das Quartett spielt am Sonntag „was Passendes zur Kirche“, swingt und groovt, bietet überzeugende Soli und jede Menge Spielfreude. Für Bass und Percussion ist dabei das Baritonsaxophon zuständig. Im „weltlichen Teil“ muss eine „englische Gruppe aus Liverpool“ herhalten, zu „When I´m 64“ singen Vögel auf den Bäumen um die Wette, während drei Begleiter ihre Saxophone schwingen und das Alt als Melodie-Instrument zu hören ist.
„So klingt österreichische Volksmusik“, kündigen sie „Mercy Mercy“ des Österreichers Joe Zawinul an, der als „armer Schlucker nach New York ging und nach kurzer Zeit Erfolg hatte“, marschieren dabei durchs Publikum im Park des Anwesens.
Da passt James Browns „I feel good“ gut zum Vormittag, während aus dem gusseisernen Ofen der Flammkuchen, oder Ziegenkäse auf Biskuit-Törtchen mit Erdbeermarmelade duftet.
Zwölfeinhalb Jahre existiert das Quartett, Christoph Krzeslack macht „nur Musik“, die anderen betreiben sie als Hobby. Komponist und Arrangeur Achim von Jena ging mit 73 Jahren in Pension, ihm folgte Norbert Zimmermann. „Im Auftrag des Herrn“ spielen sie die Bluesbrothers-Titelmusik, und „Cantaloop Island“ darf ebensowenig fehlen wie der „Maple Leaf Rag“; auch eine Eigenkomposition ist darunter, „Here comes the Boss“.
Der Höhepunkt ist eigentlich ein Tiefpunkt: Ein Solo auf dem sehr tief klingenden Bass-Saxophon: „Ich wäre so gern Millionär“ und das Thema aus dem „rosaroten Panter“. So klingt Saxophon-Musik mit einem Augenzwinkern, jazzig, groovig, aber nie puristisch, dafür mit umso mehr Spielfreude. (ek)