Sie sind zehn Jahre zusammen und haben jede Menge Spaß - genau wie das Publikum bei ihren Auftritten. Die vier Musiker von Saxofonia feierten ihren Geburtstag zusammen mit dem Abschluss der Speyerer Kulturtage am Sonntag im Alten Ratsaal, der bis auf den letzten Platz besetzt war. Als besonderer Gast überbrachte Barbara Dennerlein auf ihrer Hammond-Orgel musikalische Glückwünsche.
Spaß ist der rote Faden, der sich durch den ganzen Abend zieht. Jochen Woithe, der Gründer des Ensembles, spielt nicht nur exzellent Bariton- und Bass-Saxophon, sondern versteht es auch, mit Humor durch das Programm zu führen. Was er zusammen mit Achim von Jena (Tenorsaxophon), Christoph Krzeslack (Sopranino- und Altsaxophon) und Ralph Brinkmann (Alt- und Sopransaxophon) zaubert, hat Witz und Stil und stellt einen eigenständigen und originellen Sound dar.
Großen Anteil daran hat Achim von Jena, der als Komponist und Arrangeur viele Stücke des Programms geprägt hat. Er sei das "musikalische Herz" des Ensembles, meint Woithe über seinen Kollegen. Auch in von Jenas Kompositionen blitzt der hintergründige Humor auf, der für das Ensemble typisch ist. Ein Beispiel: In "Return of the Prodigal Son" (die Rückkehr des verlorenen Sohnes) hat er "let my people go" (lass mein Volk ziehen) aus dem Gospel "Go down Moses" als Melodiezitat eingeschmuggelt.
Das Repertoire reicht nicht nur von Ragtime, Swing bis zum Bop: Zur Eröffnung spielten die Vier eine "Courante" von Michael Praetorius, einem Komponisten der Renaissance-Zeit und hier zeigte sich besonders die technische Brillanz und gute Ton dieser Saxophonisten. "Wir hatten die Schnauze voll von Bass und Schlagzeug und wollten was anderes machen", erklärt Woithe den Impuls zur Ensemblegründung. Und tatsächlich vermisst man zu keiner Sekunde eine Rhythmusgruppe. Die Vier haben selber so viel Swing, daß auch ohne Begleitung richtig die Post abgeht. Das Programm stammte von ihrer neuen CD "Made in Trance" (beim Pro Markt erhältlich), die rechtzeitig zum Geburtstag fertig geworden ist.
Ganz anders und im bewussten Kontrast zum Saxophon Sound klang der Auftritt von Jazz-Organistin Barbara Dennerlein. Sie zaubert auf der fast 50 Jahre alten Hammond B3, dass man eine ganze Band spielen hört. Trotz aller Nachrüstung mit Sampling Klängen bleibt der runde, warme Hammond-Klang charakteristisch für den Gesamt-Sound. Das typische "Patsch" mit dem der Ton einsetzt verwendet die Organistin als percussives Element und so kann sie mit "Tamburo" einen Titel der Trommel widmen, ohne das tatsächlich eine mitspielt. Der Blues ist zentrales Element und Inspiration für viele Stücke.
Barbara Dennerlein und Saxofonia spielten schließlich gemeinsam und fachten die Stimmung weiter an. Die Voicings der Saxofone und das trocken Bass-Riff des Baritons gab zusammen mit der Orgel einen originellen, runden Sound und hatte mächtig Groove. Als Zugabe spielten die Fünf "Don´t Worry - Be Happy." Und um eine glänzende musikalische Zukunft müssen sich Saxofonia und Barbara Dennerlein keine Sorgen machen.
Gereon Hoffman.